Newsletter 2020


Boden- oder Bankschur?

Die Frage ist in Schererkreisen manchmal ein durchaus hitzig diskutiertes Thema. Es gibt vehemente Verfechter der Bankschur. Und immer mehr Scherer, die nach neuseeländischer Methode am Boden scheren. Hauptargument der Bankscherer ist bei den meisten Verfechtern die Sauberkeit des Schurergebnisses am Schaf. Aber der Reihe nach.

Die Bankschur hat in Deutschland Tradition. Das Schaf wird von einem Aufträger auf eine niedrige Bank gesetzt, der Scherer hat hinter sich etwas zum Anlehnen, beginnt am Rücken und schert erst die rechte und dann die linke Seite des entspannt dreinblickenden Schafes in seliger Ruhe Zug um Zug ohne dass eine im Mund steckende Zigarette ihre Aschewurst verlieren würde und entlässt es nach wenigen Minuten so sauber, als hätte es nie Wolle gehabt. Traumhaft.
Irgendwann in den 80ern kamen dann die ersten jungen Scherer aus Neuseeland zurück und machten es ganz anders. In langen Bahnen zogen sie weit runter gebückt mit ganzer Kammbreite über das Schaf und was passierte? Dort, wo der linke äußere Zahn des Kammes an der Wollkante ohne Druck auf der Haut geführt wird, damit die vom Vlies zu einer dünnen Falte gezogene Haut nicht verletzt wird, blieben hauchdünne Streifen Wolle stehen. Das ging natürlich gar nicht.
In den 90ern kamen dann immer mehr junge Scherer zur Bodenschur und etablierten sie in den Ställen. Selbstverständlich erfüllen sie mittlerweile die Ansprüche der Schäfer auch in Punkto Sauberkeit. Aber es gibt noch sehr viel mehr Aspekte zu berücksichtigen.

Bankschur
Als ich bei meinem ersten Besuch in Neuseeland den Profis, die 500 Schafe am Tag blank machen in einer Scherpause die Bankschur gezeigt habe, waren sie begeistert. Das Schaf sieht aus als würde es schlafen. Nicht viele Bewegungen, erst die eine, dann die andere Seite und fertig. Dann waren die Pause und meine Demonstration vorbei und sie haben weiter geschoren, 60 Schafe in der Stunde, manche auch mehr.
Die Schurbank ist in der Regel ca. 20-25 cm hoch, das Schaf sitzt zu Beginn quer vor dem Scherer, der Scherer beginnt auf dem Rücken mit der Schur, schert dann die ersten Bahnen hoch zum Kopf, dann den Hals, die rechte Seite, gerne auch schon den halben Bauch und bis über den Schwanz. Dabei lässt er das Schaf immer weiter in seinen Schoß sacken. Am Schwanz angekommen macht man noch ein paar Züge am Rücken und dann ist die erste Seite fertig. Jetzt wird das Schaf hochgewuchtet und soweit gedreht, dass die Füße nach vorne rechts zeigen. Nun wird die andere Halsseite fertiggeschoren, dann Schulter, der Rest vom Bauch und die letzte Keule, fertig. Allerdings, Gregor macht es anders, er schert die ersten Züge vorne am Hals, Willi schert z. B. den Bauch komplett ganz am Schluss, Werner schert erst die linke Halsseite zu Beginn ganz fertig und dann den Kopf, Peter schert den Kopf, wenn er am Schwanz war… und so weiter. In manchen Kolonnen gibt es fast so viele Systeme, wie Scherer. Das macht es für Einsteiger nicht unbedingt leichter. Aber das Wichtigste ist eh die Endqualität, ein sauber geschorenes Schaf ohne Verletzungen. Das lernt jeder, der neu dazu kommt. Allerdings ist die genaue Sortierung der Wolle dadurch sehr erschwert. Der zurecht vom Wollpreis frustrierte Schafhalter fragt jetzt: Wozu denn auch, wenn eh alles in einen Sack kommt? Recht hat er, aber in den meisten Ländern dieser Erde sieht es anders aus. Weltweit wird hauptsächlich sortiert. Na ja und dann war da noch der Bodenscherer, der genauso sauber schert aber viel schneller.

Bodenschur
Das Neuseeländische System ist weltweit verbreitet, alle Scherer machen genau das Gleiche. Bauch, Innenseite der Hinterbeine, erste Keule, Schwanz, Kopfwolle und dann das Vlies am Hals auftrennen und in einem Stück abscheren. Wenn der Scherer am Hals beginnt das Vlies abzuscheren, ist nur noch die Vlieswolle am Schaf.  Alle anderen Partien, Bauchwolle, Beinwolle und Kopfwolle sind vorher abgeschoren. Man erkennt sofort: Das erleichtert enorm das Sortieren der Wolle. Und genau das ist die Basis für den Ablauf der Schur. Dazu kommt, dass mit jedem Zug das Wollhaar konsequent nur einmal abgeschnitten wird. Nachzüge sind unerwünscht, da sie kurze Haarschnipsel produzieren, die keine Wollindustrie gebrauchen kann. Die Basis des Systems ist die Ernte der Wolle. Und auch bei diesem System kann man sehr sauber scheren.
Genau diese Kriterien der Wollernte werden auch bei der Bewertung der Schur in Wettbewerben berücksichtigt. Sauberes Entfernen der Bauchwolle zu Beginn der Schur, keine Nachzüge, kein Zerreißen oder Aufschneiden des Vlieses, es muss in einem Stück bleiben und eine saubere Endqualität, die übrigens am stärksten gewichtet wird.


Und was hinzukommt ist die Effektivität der Bodenschur. Das Schaf wird mit den Beinen gehalten und bewegt. Der Schurkamm läuft Zug um Zug in genau vorgegebenen Bahnen über das Schaf, nicht an allen Stellen mit ganzer Kammbreite aber immer mit dem unteren Zahn auf der Haut und da wo es möglich ist absolut konsequent mit voller Kammbreite. Der Kamm macht zu keinem Zeitpunkt eine Pause, da bei jeder Bewegung des Schafes gleichzeitig Wolle abgeschoren wird. Selbst wenn das Schaf nach der Schur des Schwanzes aufgerichtet wird, scheren geübte Profis gleichzeitig die drei kurzen Züge am Kopf. Und wenn der Scherer es hinbekommt, dass er mit jedem Zug ein sauberes Scherbild hinterlässt dann wir der irgendwann richtig schnell. Dass das alles auch in Deutschland möglich ist, zeigen uns unsere Profischerer. Die besten scheren täglich 200 und mehr großrahmige Fleischschafe in top Qualität. Da würde auch nicht jeder Neuseeländer mitkommen. Der erfolgreichste ist Rainer Blümelhuber. Er ist einer der schnellsten und er hat schon mehrfach den Preis für die beste Endqualität bekommen. Auch im letzten Jahr hat er den Titel gewonnen, weil er im Finale die beste Endqualität geliefert hat. Das sehen auch unsere jungen Scherer und entscheiden sich daher gleich für die Bodenschur.


Zur häufigen Frage: Ist das denn nicht viel anstrengender? Immer so tief runterbücken? Antwort: ist es nicht, im Gegenteil! Viele ältere Bankscherer bestätigen, dass sie nach der Umstellung auf die Bodenschur weniger körperliche Probleme haben. Auch Physiotherapeuten wissen, dass es nicht schlechter ist, sich ganz runter zu beugen als nur halb. Und wer die Technik erstmal beherrscht, stützt sich die meiste Zeit auf dem Schaf ab. Und dann haben die Bodenscherer ja auch noch ihren Gurt, in dem sie hängen, den Backaid.


Dazu kommt, dass man nicht wie hinter der Bank schön angelehnt mit einem Fuß auf der Bank in den Knie- und Hüftgelenken hängt, sondern die meiste Zeit mit beiden Füssen parallel auf dem Boden steht und sein Muskelgerüst nutzt. Das geht nicht so auf die Gelenke. Es ist also nicht nur jungen Scherern zu empfehlen, mit der Bodenschurmethode zu beginnen, auch die älteren sollten es ruhig mal ausprobieren. Über den Tellerrand schauen kann nie schaden, unsere jetzt schon etwas älteren Bodenscherer haben es vor Jahrzehnten gemacht und sie haben die Bodenschur in Deutschland etabliert. Heute zeigen sie bei den Vergleichen auf den Wettbewerben ihren deutlichen Vorsprung. Sie scheren technisch einwandfrei, sehr sauber und sind dabei verdammt schnell.


Diese Profis organisieren übrigens jedes Jahr einen Schurlehrgang, an dem sie dann -auch als Deutsche Meister- jährlich teilnehmen. Zur Leitung der Lehrgänge werden Weltklassescherer eingeflogen, manchmal auch die Lehrer, die es ihnen beigebracht haben. Und sie haben immer ein paar Kniffe und Techniken, die unsere Topscherer weiterbringen. Ich würde gar nicht mal unbedingt sagen, dass das besonders schlau ist, denn die Teilnehmer wissen, dass sie jeder Kurs ein Stück weiterbringt. Es ist eher dumm, das nicht zu tun. Lehrgänge gibt es für jedes Niveau, jedes Jahr und das in ganz Deutschland.
Das Beste kommt wie immer zum Schluss: Wenn hier die ganze Zeit von Scherern berichtet wird, es gibt viele Profi Schererinnen. Scheren ist vor allem Technik und Ausdauer. Insider kennen Stefanie Kauschus und ihre Erfolge bei den Deutschen Meisterschaften. Sie zeigt, dass Frauen den Job nicht nur können, sie steht als mehrfache Finalteilnehmerin regelmäßig an der Spitze der deutschen Profis. Prädikat: Zur Nachahmung empfohlen.

M. Gertenbach

 

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Bank oder Bodenschur? - Der Artikel
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Corona-Pandemie

Empfehlungen für Schäfereibetriebe in der Corona Krise ab 05.04.2020
 
Gebot der Stunde ist, alles Erforderliche durchzuführen, die Übertragung des Corona-Virus zu verhindern. Jeder und jede ist daher angehalten, seinen Teil dazu beizutragen.
Aus diesem Grunde empfiehlt der Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg e.V. sowie der Verein Deutscher Schafscherer e.V. und die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände e.V. für die von der Bundesregierung festgelegte Zeit den Kontakt zu anderen Personen massiv einzuschränken
Für Wanderschäfer, Hüteschäfer, selbstvermarktende Betriebe, Schafscherer ( s. hierzu extra Empfehlungen), Klauenpfleger etc. gilt Sozialkontakte zu meiden und die Hygienerichtlinien einzuhalten.
Selbstverständlich sind Sie verpflichtet, ihre Tiere zu versorgen – aber nur unter den genannten Bedingungen.


o    Kontakt mit Personen meiden
o    Mindestabstand von 1,5 m
o    Hygienevorschriften einhalten – Hände mit Seife waschen und desinfizieren
o    Maßnahmen für die Hygiene (Handwaschplätze gem. Hygienebestimmungen) einhalten
o    soziale Kontakte einschränken – auch in den Pausen (z.B. Pausen zeitlich versetzen)
 

In Kleingruppen arbeiten – nicht mehr als 2 Personen

o    Infektionsgefahr ist dann gering und steht im Einklang mit Bund-Länder-Vereinbarung für den öffentlichen Raum
o    bei Arbeiten im engeren Kontakt – Tragen einer Maske (PSA) und Handschuhen

 

Einteilung in Schichten

o    durch Einteilung in Teams und Schichten verringern Sie die Gefahr, dass bei Erkrankung das gesamte Team ausfällt
 

Kommunikation anpassen

o    direkte Kontakte vermeiden – zum eigenen Schutz und zum Schutz der Mitarbeiter Kommunikation durch z.B. die Autoscheibe oder nur außerhalb der Stallungen auf Abstand führen
o    Handys/Telefon benutzen
o    Übergabestellen/Plätze für Material oder Dokumente

 

Stallungen

o    nach unserer Kenntnis sind Handwerkerarbeiten grundsätzlich erlaubt, wenn dort die handwerklichen Leistungen und Produkte verkauft werden, sofern die Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Dies gilt für die Schafschur
o    Beratung nur im Außenbereich auf Abstand
 

Argumente für eine Weiterarbeit

o    Einhalten der Tierschutzverordnung auch für die Zeit nach der Corona-Krise
o    Erhalt der Wirtschaftskraft
o    es gibt kein bundesweites Arbeitsverbot – das gilt auch für Schäfer und Schafscherer


Weiterführende Empfehlungen und Hinweise sowie konkrete Hinweisschilder bekommen Sie zum einen auf der Homepage des MLR, LSV, VDL oder bei Ihren jeweiligen Landesverbänden.


Im Moment spricht nichts für einen Arbeitsstop, wenn die Regeln eingehalten werden! Die Gewerke können viel dafür tun, dass es so bleibt. Bleiben Sie gesund!


 
Saisonarbeitskräfte (Monat April-Mai 40.000 AK) gilt auch für Schafscherer aus Neuseeland und Polen etc.

o    Keine Einzeleinreisen, sondern Gruppeneinreisen mit dem Flugzeug
o    Listenverfahren mit Einverständnis der Saisonarbeiter, das die Erforderlichkeit der Einreise bescheinigt
o    Bundespolizei legt in Abstimmung mit den Verbänden Flughafen fest an denen die Einreise gestattet ist.
o    Überprüfung der einreise- und aufnethaltsrechtlichen Voraussetzungen durch die Bundespolizei
o    Gesundheitcheck bei der Einreise
o    Schriftliche Hygieneuntersuchung vor der Einreise
o    Abholung der Arbeitnehmer am Flughafen durch den Betrieb
o    Neuanreisende leben und arbeiten die ersten 14 Tage strikt getrennt von den sonstigen Beschäftigten und verlassen das Betriebsgelände nicht
o    Zwingende Unterkunfts und Arbeitsteam-Einteilung
o    Arbeitsbesprechungen unter Berücksichtigung des Mindesabstandes
o    Arbeiten mit Mindestabstand sowie unter Verwendung von Mundschutz und Handschuhen
Etc.


Die Meldung der für die Einreise benötigten Daten für die Einreise nach Deutschland, u.a. Name des Betriebes, der Arbeitnehmer, Flugnummer etc., wird über ein Internetportal erfolgen. Dieses Portal https://saisonarbeit2020.bauernverband.de  befindet sich im Aufbau und wird voraussichtlich zu Beginn der 15. Kalenderwoche freigeschaltet werden. Dort werden auch weitere Informationen zum Verfahrensablauf und zu den benötigten Daten und Unterlagen gegeben.
 
Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg e.V.
Anette Wohlfarth

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Empfehlungen für den Ablauf beim Schafescheren in der Corona-Krise - Artikel
Empfehlungen für Schäfereibetriebe und S
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